Meine Aufwandsentschädigungen und Spenden im Jahr 2017

von Dr. Michael Faber, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion

economic-1050731_640Seit 2012 habe ich jedes Jahr die durch mein politisches Engagement erzielten Einnahmen veröffentlicht und angegeben, welche Spenden und Beiträge ich davon leiste (siehe hier für 2016).

Dazu zunächst einige grundsätzliche Infos: Kommunalpolitik ist ein Ehrenamt. Deshalb erhält man für sein Engagement als “Feierabendpolitiker” auch kein Gehalt oder Diäten wie im Bundestag oder den Landtagen. Allerdings bekommt man eine Entschädigung für den mit der Mandatsarbeit verbundenen Aufwand. Wie hoch diese Aufwandsentschädigung ist, legt das Land in einer Verordnung fest. Die Stadt kann nur zwischen verschiedenen Vergütungsmodellen wählen. In Bonn gibt es nach der kommunalen Ausführung dieser Verordnung für Ratsmitglieder eine bestimmte monatliche Pauschale sowie ein Sitzungsgeld für die Teilnahme an Rats-, Ausschuss- oder Fraktionssitzungen (unabhängig von deren Dauer). Würde die Stadt dieses System auf ein reines Pauschalsystem umstellen, wie es die Linksfraktion mehrfach vergeblich beantragt hat (vgl. hier und hier), könnte die Stadt Bonn hierdurch rund 65.000 EUR pro Jahr bei Stadtverordneten sparen und nochmal ca. 35.000 EUR bei einer spiegelbildlichen Änderung für Bezirksverordnete (vgl. Antwort Nr. 2 zu dieser Anfrage der Linksfraktion). Hinzu kommen ggf. noch Verdienstausfallentschädigung sowie eine Fahrtkostenerstattung. Fraktionsvorsitzende erhalten nach der Entschädigungsverordnung des Landes für ihre Tätigkeit eine erhöhte Pauschale. Dabei bekommen Vorsitzende großer Fraktionen einen höheren Pauschalbetrag als diejenigen kleiner Fraktionen. Bei großen Fraktionen erhalten auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende eine erhöhte Aufwandsentschädigung (bei der Linksfraktion Bonn nicht). Ab Januar 2017 wurde zudem u.a. eine zusätzliche Vergütung für Vorsitzende von Ausschüssen eingeführt und die städtischen Entschädigungszahlungen wurden ab August letzten Jahres etwas angehoben. Hier dann die Übersicht über meine mandatsbezogenen Einkünfte und Spenden aus dem letzten Jahr:

Aufwandsentschädigungen 2017

Für die Tätigkeit als Stadtverordneter 4.652,60 EUR
Für die Tätigkeit als Fraktionsvorsitzender 11.715,20 EUR
Sitzungsgeld 1.134,70 EUR
Verdienstausfall/Wegeentschädigung 197 EUR
Mitgliedschaft in der Zweckverbands-
versammlung der Sparkasse KölnBonn
1.000,00 EUR

Gesamtentschädigung:    18.699,50 EUR
davon steuerpflichtig:        12.555,50 EUR
davon steuerfrei:                   6.144,00 EUR

Erläuterung: Für die Tätigkeit als Stadtverordneter erhielt ich 2017 bis einschließlich Juli monatlich 382,30 EUR und ab August 395,30 EUR. Für die Tätigkeit als Fraktionsvorsitzender waren es zusätzlich 962,60 EUR bzw. 995,40 EUR pro Monat. Das Sitzungsgeld betrug 19,60 EUR (ab August: 20,30 EUR) je Sitzung. Die Entschädigung für die Mitgliedschaft in der Zweckverbandsversammlung der Sparkasse setzt sich zu einer Hälfte aus Sitzungsgeld und zur anderen Hälfte aus einer Pauschalvergütung zusammen.

Spenden und Mitgliedsbeiträge 2017

a) Spenden

DIE LINKE. Kreisverband Bonn* 6.528,00 EUR
Nicaragua-Hilfe Bonn e.V., (darunter Pokalspende für Copa San Ramon) 119,00 EUR
Tierschutzverein Bonn und Umgebung e.V. 100,00 EUR
Caritas Bonn für Robin Good (10. Geburtstag)
100,00 EUR
Bonn Lighthouse – Verein für Hospizarbeit
100,00 EUR
Verein für Gefährdetenhilfe 100,00 EUR
Subculture Bonn e.V. (neuer Skatepark) via betterplace.org 100,00 EUR
Förderverein Frauen gegen sexualisierte Gewalt 100,00 EUR
Förderverein Filmkultur (Stummfilmtage Bonn) 100,00 EUR
Flüchtlingshilfe Bonn (Kampagne: save me Bonn) 100,00 EUR
Diakonie Bonn und Region (für Familiennetzwerk Tannenzwerge, Spielzeuganschaffung) 100,00 EUR
Helft dem autonomen Frauenhaus e.V. 100,00 EUR
Informationsstelle Lateinamerika e.V. 100,00 EUR
Bündnis Entwicklung hilft (Hungerkrisen Afrika) 50,00 EUR
DKMS 40,00 EUR

* Gemäß Beschluss der Kreismitgliederversammlung der LINKEN werden 40 % der pauschalen Aufwandsentschädigung an die Partei gespendet, weitere 10 % gehen an gemeinnützige Zwecke bzw. Mitgliedschaften.

Spenden insgesamt: 7.837,00 EUR

b) Mitgliedsbeiträge

Mitgliedsbeiträge insgesamt: 1.379 EUR

Spenden und Mitgliedsbeiträge insgesamt: 9.216 EUR

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Wirkungsorientierte Ratssitzung (Ratsbericht vom 10.07.)

Die letzte Ratssitzung vor den Sommerferien war erwartungsgemäß vollgepackt, ging erwartungsgemäß lange und kam angesichts des aktuell laufenden Bürgerentscheids „Zentralbad stoppen!“ erwartungsgemäß auch nicht ohne Diskussion um die Bäderlandschaft aus. Einer der ersten Beiträge dazu kam dann auch von uns. Aber es ging in unserer Anfrage nicht um das geplante neue Hallenbad im Wasserland, sondern um das gute, alte Melbbad. Entgegen dem, was insbesondere SportpolitikerInnen der Jamaika-Koalition gern suggerieren, ist der Erhalt der Freibäder nämlich alles andere als gesichert – wie sollte das auch so sein, bei einem chronisch unterfinanzierten Bäderhaushalt, der durch fortschreitende Kürzungen der Koalition weiter gefährdet wird. Die Stadtverwaltung ist deshalb für die Freibäder in Rüngsdorf, Friesdorf und eben das Melbbad auf der Suche nach einem Investor, der die Betriebsführung übernehmen soll. Wie man aus der Presse erfahren konnte, gab es dazu auch im Fall des Melbbads Gespräche zum Vorschlag eines Investors, an denen neben der Verwaltung auch VertreterInnen der Jamaika-Koalition beteiligt waren. Beteiligung der Opposition – Fehlanzeige. Diese Praxis, die im Ergebnis dazu führt, dass der Rat nicht gleichberechtigt über wesentliche Informationen in der Stadtentwicklungspolitik informiert wird, haben auch wir in der Sitzung nochmal kritisiert, ohne dass von der Verwaltung eine zufriedenstellende Antwort kam.

Wahrscheinlich wichtigster Punkt der Sitzung war der Streit ums sogenannte Bonner Baulandmodell, das die Bedingungen für Investoren festlegen soll, die in Bonn bei Neubauprojekten künftig Wohnraum schaffen. Die Koalition feierte sich nach der Sitzung für die Einführung einer Quotenregelung, die bei solchen Neubauprojekten 40 % Schaffung von gefördertem Wohnraum zur Bedingung macht. Dabei fällt die Ratsmehrheit aus CDU, Grünen und FDP hier noch hinter eigene Ankündigungen zurück und tritt beim sozialen Wohnungsbau wieder mal auf die Bremse. Denn in der Realität wird dieser zu späte und zu kleine Schritt (die Quote greift überhaupt erst ab Projekten mit 25 Wohnungen) kaum ausreichen, um die im Schnitt 500 Sozialbindungen von Wohnungen, die in Bonn jährlich wegfallen, auszugleichen. Unser planungspolitischer Sprecher begründet deshalb unseren eigenen Änderungsantrag:

Wie dringend der Bedarf ist, zeigt nicht zuletzt das Debakel von Koalition und Verwaltung in Sachen Erzbergerufer/Poliklinik: OB und Ratsmehrheit hatten sich in der Vergangenheit mit ihrem Wunsch für ein neues Hotel am Rheingrundstück am Erzbergerufer gegen den Widerstand der Opposition durchgesetzt, wollten dafür aber auf dem nicht weit entfernten Gelände der ehemaligen Poliklinik sozialen Wohnraum schaffen. Daraus wird nun jedoch nichts, weil die Uniklinik sich das Grundstück für ihr eigenes Bauvorhaben gesichert hat.

Ärgerlich ist für uns die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge im Verein Region Köln/Bonn e.V., in dem die Stadt Mitglied ist, die für uns nicht ausreichend begründet ist. Insbesondere was die Personalsituation angeht, ist die Situation hier unbefriedigend: Der Rat hatte die Rahmenbedingungen für die personelle Ausstattung des Vereins erst im letzten Dezember für drei Jahre beschlossen – dies ist mit dem neuen Beschluss jetzt schon wieder hinfällig und die erforderlichen Mittel sollen um 20 % erhöht werden. Dafür sehen wir keine Rechtfertigung.

Während die Haushaltsberatungen für die Jahre 2019/20 erst nach den Sommerferien ihren Abschluss finden werden, ging es im Vorfeld in dieser Sitzung bereits um ein grünes Lieblingsthema: den sogenannten „Wirkungsorientierten Haushalt“. Konkret hatten CDU, SPD, Grüne, FDP und Sozialliberale in einem interfraktionellen Antrag ein haushaltspolitisches Leitbild entworfen, dessen strategische Ziele allerdings an Banalität kaum zu überbieten waren. Unser Fraktionsvorsitzender begründet deshalb im Rat unseren eigenen Änderungsantrag dazu, in dem wir dem haushaltspolitischen Leitbild unsere eigene Sammlung an Plattitüden, Bauernregeln und rheinischen Sinnsprüchen gegenüberstellen:

Das war es an größeren Themen aus dem öffentlichen Teil. Aus dem anschließenden nicht-öffentlichen Teil der Sitzung berichtete später der General-Anzeiger u.a. von unserer Kritik an der Verlängerung der Verträge der SWB-Geschäftsführer, ehe die Stadtverordneten in die Sitzungspause der Sommerferien entlassen wurden.

Der Fast Kopflose Fuchs (Ratsbericht vom 03.05.)

Fast Kopfloser FuchsBekanntlich lautet die einzige Regel im Thunderdome: „Zwei Mann gehen rein – einer kommt wieder raus“. Da eröffnen sich ungeahnte Parallelen zur politischen Arena des Bonner Stadtrats im Mai: Denn von zwei Dezernenten, die in die Sitzung gingen, hatte nur noch einer hinterher den Job, und auch das nur haarscharf. Wenig Überraschung gab es beim Kulturdezernenten Martin „Easy Rider“ Schumacher, dessen Vertrag erwartungsgemäß vom Stadtrat nicht verlängert wurde. Spannender war es bei Stadtdirektor und Beethovenhallen-Sanierer Wolfgang „Wenn das schiefgeht, rollt mein Kopf“ Fuchs, der sein politisches Schicksal nicht nur mit der Konzerthalle, sondern auch mit der Reform des Bürgerbüros verknüpft hatte, wo die Bilanz ähnlich katastrophal aussieht. Recht chaotisch war daher in den Reihen der schwarz-gelb-grünen Schwampel-Koalition der Vorlauf zur Wahl: Bei der CDU musste ein Fraktionsvotum wiederholt werden, weil in der ersten Probeabstimmung die Unterstützung für Parteifreund Fuchs nicht groß genug war. Und während sich die Grüne Fraktion mehrheitlich sogar gegen die Wiederwahl von Fuchs aussprach, stimmte die grüne Basis auf einer schleunigst einberufenen Mitgliederversammlung pro CDU-Fuchs – ohne im entsprechenden Antrag irgendeinen inhaltlichen Grund dafür nennen zu können.

Unser Fraktionsvorsitzender fasste in der Sitzung zusammen, warum wir die Wiederwahl des Stadtdirektors nicht mittragen wollten:

Letztendlich reichte es mit sparsamen drei Stimmen Mehrheit für die Wiederwahl – nicht zuletzt dank der Unterstützung durch die oppositionellen Sozialliberalen, die ihn mehr oder weniger mitwählten, weil er sich gegenüber den Ex-Piraten immer nett und professionell verhalten habe. Was als Qualifikation für das zweithöchste Amt der Stadt in deren Augen offenbar genug war.

Neben den Personalentscheidungen gab es aber auch wichtige inhaltliche Weichenstellungen, leider nicht immer in der richtigen Richtung. Das Neubaugebiet in Buschdorf soll nach Willen der Koalition meistbietend an einen Investor vergeben werden statt an eine städtische Projektgesellschaft, was wir beantragt hatten. Unser planungspolitischer Sprecher begründet unsere Position:

Auch bei einem anderen Planungsprojekt, der sogenannten Didinkirica-Siedlung in der Nordstadt, überzeugt uns der Vorschlag der Verwaltung städtebaulich und im Hinblick auf den dringend notwendigen sozialen Wohnungsbau nicht – wir haben die Vorlage deshalb abgelehnt.

Erwartungsgemäß fiel auch das Ergebnis zum Bürgerbegehren „Zentralbad stoppen!“ aus, das die erforderlichen Unterschriften gesammelt hatte, so dass sich der Rat damit auseinandersetzen musste. Wir unterstützen als Linksfraktion das Begehren inhaltlich, weil wir sanierte Stadtteilbäder für die bessere Alternative zum geplanten neuen Zentralbad im Wasserland in Dottendorf halten. Jürgen Repschläger erklärt, wieso:

Aber die Jamaika-Koalition sieht die ganze Sache nach wie vor anders und lehnte das Begehren im Rat ab, weswegen jetzt automatisch die Bonnerinnen und Bonner im Bürgerentscheid gefragt sind. Anfang Juli sollen die Abstimmungsunterlagen verschickt werden.

Eine Initiative von uns stand ebenfalls noch auf der Tagesordnung: In einem Antrag forderten wir zusätzliche Bahnen für die Trambahnlinie 61/62 und eine schnellere Beschaffung. Denn was der Stadtrat hier vor einem Jahr bereits beschlossen hat, reicht für den Ausbau des ÖPNV bei weitem nicht aus. Das wurde zuletzt noch einmal deutlich, als aufgrund von Fahrzeugschäden die Linie 61 auf dem Teilstück von Hauptbahnhof bis Dottendorf tagelang komplett ausfallen musste. Nicht zuletzt wegen des hohen Reparaturbedarfs der in die Jahre gekommenen Trambahnen haben wir deshalb auch die Erhöhung der finanziellen Mittel für die Werkstatt angeregt. Doch die Jamaika-Koalition fürchtete offenbar um die Bilanz der Stadtwerke, die in den nächsten Jahren Millionenbeträge an den Stadthaushalt abführen sollen, und lehnte unseren Antrag ab – womit sich die Fahrgäste mindestens in den nächsten zwei Jahren weiter auf häufigere Ausfälle gefasst machen müssen.

Bundeslurch vs. Amtsschimmel

Das Bonner Bundesamt für magische Wesen (BAfmW) dürfte allgemein ein Begriff sein? Es handelt sich trotz des täuschend echten Wappens („Bundeslurch“) überraschenderweise um keine echte Bundesbehörde, sondern ist ein ursprünglich mal aus einer Imkerei im braven Graurheindorf hervorgegangenes Fantasyprojekt, das inzwischen auch verlegerisch tätig ist und immer wieder mit aufsehenerregenden Aktionen über die Stadtgrenzen hinaus von sich reden macht – so zum Beispiel im vergangenen Jahr mit einem riesigen Manga-inspirierten Fassadenbild zum Gedenken an die Opfer des Anschlags auf den Schwulenclub in Orlando, auf dem u.a. Beatrix von Storch und Abu Bakr al-Baghdadi in der Hölle schmoren – ganz zauberhaft.

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„Eine Werbeanzeige versprach ich nie“ – Stadt Bonn (Bild: © BAfmW)

Nun gibt es aber auch Orte, an dem einem alle Magie und Zauberei nicht weiterhelfen. Düstere Orte meistens, wie die Gräber von Atuan, die Minen von Moria oder auch der Dunkle Turm der Bonner Stadtverwaltung („Stadthaus“) von Stammeshäuptling Azog dem Weisen. Dessen absolut unmagisches Amt für Stadtgrün bringt jedes Jahr aus Anlass der „Offenen Gartenpforte“, dem Aktionstag, an dem private Gartenanlagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, eine Broschüre mit einem Verzeichnis aller teilnehmenden Gärten heraus, darunter übrigens häufig auch der des BAfmW. In diesem Jahr wollte das Bundesamt den Tag mit der Vorstellung ihrer neuen und thematisch durchaus passenden Kurzgeschichtenanthologie „Einen Rosengarten versprach ich nie“ verbinden und hierzu eine Anzeige in der städtischen Broschüre platzieren. Doch das Grünflächenamt sagte nein, die Werbeanzeige sei nicht passend. Das muss überraschen, findet sich in dem Heft doch in jedem Jahr unter anderem viel touristische Werbung, die in keinem direkten Zusammenhang zur Gartenpforte steht – und in der Ausgabe von 2015 sogar eine Werbeanzeige für Lautsprechersysteme. Und das soll passender sein?

Der Verdacht liegt deshalb nahe, dass es eher die homoerotische Ästhetik der Anzeige war, die in der Verwaltung für Schweißausbrüche gesorgt hat. Was jedoch alles andere als eine akzeptable Rechtfertigung für die Ablehnung sein kann. Wir haben deshalb eine Kleine Anfrage eingereicht, um die Angelegenheit zu klären – und warten seither gespannt auf die Rückkehr unserer Fraktionseule mit der Antwort der Verwaltung.

Jemand hat die Absicht, eine Rutsche zu bauen

Wer es bislang in seinem oder ihrem Leben irgendwie geschafft hat, nicht zum Zyniker zu werden, wird von den Bonner Stadtwerken (SWB) seit Anfang des Jahres auf eine harte Probe gestellt. Gemäß der alten Werbeweisheit „Kinder und Tiere gehen immer“ luden Projektplaner mit den SWB Ende Januar unter großem Medienrummel 70 Bonner Pänz zum schamlosen Publicity-Stunt, äh, „Rutschen-Workshop“ für das neue geplante Zentralbad, gegen das sich ein aktuelles Bürgerbegehren richtet, das von unserer Fraktion unterstützt wird.

Jetzt im März wurden die Ergebnisse mit den fünf favorisierten Entwürfen noch einmal im „Beratungsgremium Bad“ der SWB etwas detaillierter vorgestellt: Mit Elementen wie „Rüttelfunktion“, „schrillen Lichtblitzen und wummernden Bässen“ und freiem Fall „durch eine aufgehende Glasklappe steil nach unten“ erhärtet sich der Verdacht, dass – vorsichtig formuliert – die Realisierbarkeit der Vorschläge und damit eine tatsächliche Bürgerbeteiligung nicht das Hauptaugenmerk des Workshops war. Denn es besteht bei solchen Vorschlägen offensichtlich erhebliches Gefahrenpotenzial: Nicht notwendigerweise für die BesucherInnen (obwohl die Stadtwerke vielleicht vorsorglich mit dem Finanzamt klären sollten, ob eventuell anfallende Schmerzensgeldforderungen steuersparend mit den SWB-Gewinnen aus der Energiesparte verrechnet werden können), aber – und das ist viel wichtiger – auf jeden Fall für das für die Rutschen vorgesehene Budget von einer Million Euro.

Die Beteuerungen, dass die fünf Vorschläge des Workshops auf jeden Fall umgesetzt werden, klingen dann auch nach und nach immer weniger überzeugend. Auf der offiziellen Website heißt es noch:

Nach fünf Stunden konzentrierter und kreativer Arbeit präsentierten sie fünf Rutschenmodelle, die sie sich für Bonn wünschen und die jetzt von Ingenieuren, Architekten und Planern konkretisiert und durchgeplant werden.

Wirklich alle fünf? Werner Schui (SWB) wirkt da im Express hinterher schon etwas defensiver:

Am Anfang können wir vielleicht nur zwei oder drei Rutschen bauen, die sollen dann aber genau so sein, wie es sich die Kinder vorstellen.

Im SWB-Gremium im März war nur noch von einem Modell die Rede, das umgesetzt werden soll. Falls das Bad tatsächlich gebaut wird, wird sich zeigen, ob hinterher tatsächlich mehr als bloße Stichworte und Dekorationsideen vom Rutschen-Workshop übriggeblieben sind. Wir hätten da jedenfalls schon eine Prognose, wie es am Schluss aussehen könnte:

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Bildrechte: CC0 (gemeinfrei)

 

Motiv: Ruhende Fahnen (Ratsbericht vom 20.03.)

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Unser Antrag: Zusätzliche Bahnen für die Linien 61/62/65

Die gestrige Ratssitzung war eine der kürzeren – kein Wunder eigentlich, wegen der ausgedehnten Sondersitzung zur Beethovenhalle war der Rat auch in den letzten beiden Wochen schon versammelt worden, so dass sich der Redebedarf offenbar einigermaßen erschöpft hatte. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Punkte, die zu Konflikten in der schwarz-grün-gelben Koalition hätten führen können, von vornherein von der Tagesordnung abgesetzt wurden. So zum Beispiel der Vorschlag der CDU-geführten Stadtverwaltung für eine neue Radspur in der Innenstadt, den CDU-Fraktionsvize Fenninger medial als „Firlefanz“ bezeichnete und auch bei der FDP auf wenig Gegenliebe traf. Dies führte zu Beginn der Sitzung zu den mittlerweile zur Genüge bekannten rhetorischen Verrenkungen beim grünen Koalitionspartner, der die neue Fahrradspur (plus weitere Maßnahmen im Bereich des City-Rings) gemeinsam mit CDU und FDP von der Tagesordnung warf, aber der geneigten Wählerschaft gleichzeitig verzweifelt zu signalisieren versuchte, dass sie da inhaltlich trotzdem selbstverständlich voll dafür wären. Ebenfalls nicht auf die Tagesordnung schaffte es unser Antrag auf Beschaffung von zusätzlichen Trambahnen für die Straßenbahn-Linien 61/62/65 – auf Antrag der Koalition verwiesen in den Planungsausschuss, obwohl hier die Zeit besonders drängt und Entscheidungen gefragt sind.

Zu altem, vor allem von Ressentiments geprägtem Politikstil fanden unterdessen die Kolleginnen und Kollegen vom Bürgerbund Bonn zurück: Ein Antrag des BBB richtete sich gegen das muslimische Frauenschwimmen, ein Angebot des Bonner Schwimmvereins AlHilal, das auch im geplanten neuen Hallenbad fortgesetzt werden soll. Dass der dafür erforderliche Vorhang zwischen den beiden großen Becken, den der BBB ablehnt, auch von den anderen Bonner Schwimm- und Sportvereinen gewünscht wird (zum Beispiel zur Veranstaltung von Wettkämpfen), schien den BBB da weniger zu interessieren. Unser Stadtverordneter Jürgen Repschläger sagte in der Sitzung:

Es gibt sehr viele Frauen in Bonn – jeglichen Alters, jeglicher Parteizugehörigkeit und jeglicher Religion, die ein geschütztes Frauenschwimmen sehr begrüßen und in der Vergangenheit sehr geschätzt haben. Das auf ein muslimisches Frauenschwimmen zu reduzieren, ist falsch.

Ein weiterer Antrag des BBB forderte ein Alkoholverbot am Johanneskreuz, offenbar mit dem Ziel, die Menschen, die sich dort regelmäßig aufhalten, zu vertreiben. Keine gute Idee, meinte unser Fraktionsvorsitzender Dr. Michael Faber:

Politisch versuchen Sie hier, ein durch Verdrängung überhaupt erst geschaffenes Problem durch erneute Verdrängung zu beseitigen – das wird nicht klappen.

Auch rein formal war der Antrag des BBB aus unserer Sicht unzulässig, weil ein Grundrechtseingriff wie ein Alkoholverbot rechtlich nur in sehr engen Grenzen möglich ist, womit sich der BBB hier aber überhaupt nicht auseinandergesetzt hatte.

Ein weiterer Punkt sowohl im öffentlichen als auch im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung war die Rettung des Deutschen Museums Bonn, die durch Zuschüsse der Stadt Bonn, der Haribo-Stiftung und des Rhein-Sieg-Kreises sichergestellt werden soll. Es fragt sich allerdings zu welchem Preis: Wenn in den Eckpunkten der Vorlage etwa davon gesprochen wird, dass im Museum ein „Überblick über die Leistungsfähigkeit der regionalen Wirtschaft“ gegeben werden soll, sind unsere Zweifel am pädagogischen Konzept der Einrichtung, was die Verbindung von Bildung und Wirtschaft angeht, jedenfalls nicht ausgeräumt. Wir haben uns bei dem Punkt deswegen letztlich enthalten.

Alles in allem eine Sitzung ohne größere Aufreger oder Höhepunkte – bis auf das Pausenbild im Livestream des RatsTV (Motiv: Ruhende Fahnen), das mit dem unterlegten beruhigenden Stimmengemurmel in Endlosschleife als Bildschirmschoner eine hervorragende Alternative zu Kaminfeuer oder den schönsten Bahnstrecken Deutschlands darstellt.

#Beethovenhölle (Ratsbericht vom 05.03.)

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Ratssondersitzung zur Beethovenhalle (Symbolbild)

Die Kostensteigerungen und zeitlichen Verzögerungen bei der Sanierung der Beethovenhalle lassen den Bonner Stadtrat nicht zur Ruhe kommen. Am gestrigen Montag tagte der Rat deshalb außerhalb der Reihe – obwohl die nächste reguläre Ratssitzung schon in zweieinhalb Wochen (am 20.03.) stattfindet und auch der Projektbeirat Beethovenhalle (am 28.02.), der Betriebsausschuss SGB (am 14.03.) und der Kulturausschuss (am 15.03.) das Thema bereits davor auf der Tagesordnung hatten oder haben werden.

Ernste Zweifel, ob die Sitzung gestern wirklich notwendig war, gab es also bereits im Vorfeld und wurden im Sitzungsverlauf erhärtet. In den fast drei Stunden technischer Debatte über Baugrundgutachten und Kampfmittelbeseitigung gab es wenig Neues und nichts Dringliches in der Sache. (Am wenigsten von den Sozialliberalen, die die Sitzung überhaupt erst einberufen hatten, aber sich an der Debatte kaum beteiligten.) Wo die politische Verantwortung für die Verzögerungen und Kostensteigerungen liegt, ist letztlich bereits geklärt (Stadtdirektor Fuchs am 12.12.2017 im General-Anzeiger: „Wenn es schief geht, rollt mein Kopf“) und ob die Schuldzuweisungen der Stadtverwaltung an die Architekten zutreffen, lässt sich schwer feststellen, solange die von der Stadt einen Maulkorb verpasst bekommen. Wir hatten als Linksfraktion lange vor den jüngsten Entwicklungen gewarnt, dass sich die Stadtverwaltung in ihren Sanierungsbemühungen durch die einseitige Fixierung auf das Beethovenfest im Jubiläumsjahr 2020 erpressbar macht und finden, dass die Beethovenhalle eine Bedeutung hat, die weit über „BTHVN2020“ hinausgeht.

Zu anderen (tatsächlich dringenden) Themen fanden sich in der Tagesordnung auch noch Anträge von uns wieder: Einerseits wollten wir die Vorschläge, die der OB für Bonn als eine Modellstadt für das Sofortprogramm „Saubere Luft“ bis Mitte März der Bundesregierung übermitteln soll, sehen und mitbeschließen. Dass der OB hier alles selbst entscheidet (und in Eigenregie zum Beispiel den Vorschlag für einen fahrscheinlosen ÖPNV schon wieder ad acta legen will), ist für uns nicht hinnehmbar, darüber muss der Rat beschließen. Auch wenn der Antrag selbst am Ende der Sitzung unter anderem mit den Stimmen der Grünen abgelehnt wurde, soll die Verwaltung nun zumindest den planungspolitischen Sprechern in dieser Woche den Maßnahmenkatalog vorlegen.

Ein zweiter Antrag von uns befasst sich mit dem Bürgerbegehren zum geplanten Zentralbad. Die Stadt hatte wegen ihrer fehlerhaften Kostenschätzung vor dem Verwaltungsgericht Köln gegen die Bürgerinitiativen letzte Woche eine juristische Schlappe erlitten und wollte dagegen Rechtsmittel einlegen. Gegen diese Absicht hatten wir wiederum einen Antrag eingebracht: Die Stadt soll das Urteil akzeptieren und die Fehler möglichst schnell berichtigen. Auch wenn letztlich nach der langen Diskussion zur Beethovenhalle keine Sitzungszeit mehr übrig war (die Sitzung wird nächste Woche Montag fortgesetzt), scheint die Möglichkeit zu bestehen, dass die Stadt hier einlenkt:  Der OB sagte in Reaktion auf ein Gesprächsangebot durch „Kurfürstenbad bleibt“ und „Frankenbad bleibt Schwimmbad“ zumindest in der Sitzung zu, sich mit den Initiativen an einen Tisch zu setzen und gemeinsame Lösungen im Streit um die Kostenschätzung zu suchen.