Wie schwul war Beethoven? Ein Rückblick aufs Sommerfest

sommerfest bild

Fraktionsmitglieder im Gespräch, dazu Musik und Luftballons

Vor knapp einer Woche fand am ersten Augustwochenende auf dem Münsterplatz bei fabelhaftem Wetter das traditionelle schwullesbische Sommerfest statt. In diesem Jahr erstmals veranstaltet durch den neugegründeten Verein r(h)einqueer Bonn – und unter dem neuen Namen „Beethovens Bunte“. Um etwaigen Gerüchten aber von vornherein den Boden zu entziehen: Über sexuell abweichendes Verhalten ist beim Bonner Starkomponisten nach wie vor – von gelegentlichen Besuchen bei Wiener Prostituierten abgesehen – nichts bekannt. Ähnlich wie bei Peter Altmeyer wird es der liebe Gott so gefügt haben, dass Beethoven unverheiratet und allein durchs Leben ging.

Das Fest unter dem wie immer etwas grimmigen Turtle-Face des Beethoven-Denkmals kann jedenfalls in Sachen Bühnenprogramm, Musik und Organisation als absolut gelungen gelten. Auch unsere Ratsfraktion war vertreten, u.a. auf der Bühne mit Lea Brandes bei einer Podiumsdiskussion zu aktuellen queeren Themen und natürlich auch am Infostand der Partei. Eine gelungene Feier bedeutet aber noch nicht, dass in der Bonner Szene selbst alles zum Besten steht. Hier befinden wir uns immer noch in einer Art Wiederaufbauprozess, seit 2009 das Schwulen- und Lesbenzentrum am Frankenbad und das Jugendzentrum „Grenzenlos“ schließen mussten.

Das heißt auch, es gäbe für die Kommunalpolitik noch jede Menge zu tun. Und eigentlich auch jede Menge finanziellen Spielraum: Noch bis 2009 waren im städtischen Jugend- und Sozialetat für Zentrum und Grenzenlos insgesamt jährlich knapp 50.000 EUR an finanzieller Unterstützung vorgesehen. Nur ein kleiner Teil davon wird seit 2013 wieder ins neugegründete queere Jugendzentrum GAP investiert, alles andere verschwand als Einsparung im Haushalt. Dabei gäbe es genug queere Projekte, die eine Förderung verdient hätten: Zum Beispiel das Aufklärungsprojekt SCHLAU, das in Bonner Schulklassen ehrenamtlich Workshops zu sexueller Orientierung und Vielfalt anbietet und sich vor Einladungen kaum retten kann. Die Linksfraktion war hier 2015 nur knapp mit einem entsprechenden Antrag an den Stimmen aus der Jamaika-Koalition gescheitert. Bald beginnen wieder die Haushaltsberatungen und es ergibt sich vielleicht eine neue Chance. Denn sich für das Hissen einer Regenbogenflagge zu feiern ist in jeder Hinsicht billig – wenn das nämlich das einzige ist, was sich Grüne & Co unter Unterstützung für schwullesbische Projekte vor Ort vorstellen können.

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