Denkmalschutz für die Rheinaue?

Kaiser_Wilhelm_II_of_Germany_-_1902
Als man in Bonn vor ein paar Wochen die Frage diskutierte, ob die Rheinaue unter Denkmalschutz gestellt werden sollte, wurde wieder klar: Denkmalschutz ist in Bonn nur so lange erwünscht, wie er wirtschaftliche Interessen nicht berührt. Dass sich die Zeiten hier kaum geändert haben, zeigt ein Blick auf einen alten prominenten Denkmalschutz-Streit in Bonn, nämlich den von 1888 bis 1898 andauernden Kampf um das Sterntor. Dazu muss man wissen, dass das heutige Sterntor am Bottlerplatz in der Bonner Innenstadt nicht das originale Sterntor ist, um das es damals ging. Das stand ein paar Meter weiter Richtung Friedensplatz am Ende der namensgebenden Sternstraße und war das letzte erhaltene Tor der mittelalterlichen Stadtmauer, war also unbestreitbar ein bedeutendes historisches Denkmal. Unglücklicherweise war es aber auch etwas zu klein für den mittlerweile stark angewachsenen innerstädtischen Verkehr. Deshalb wurde das über 650 Jahre alte Stadttor 1898 trotz Einspruch von Kaiser Wilhelm II. kurzerhand abgerissen und zwei Jahre später für Touristen in der heute bekannten Form wieder aufgebaut, die aber mit dem Original außer dem benutzten Baumaterial nicht mehr allzu viel gemein hat.

Heute ist es die Rheinaue, deren Schutz den wirtschaftlichen Interessen Bonns angeblich im Weg steht und anstelle von Wilhelm II. kümmert sich die – mit ungleich höheren Kompetenzen ausgestattete – obere Denkmalbehörde des Landschaftsverbands Rheinland um den Denkmalschutz. Statt dem innerstädtischen Verkehr gilt die große Sorge vieler Ratsmitglieder heute den Konzerten von Sarah Connor oder der Bonner Bierbörse. Doch auch wenn der würdevolle Status eines geschützten Denkmals gerade mit Ersterem nur schwer vereinbar scheint, sind die Sorgen eigentlich unbegründet. Schließlich war das Gebiet immer schon als Veranstaltungsort für die Bürgerinnen und Bürger konzipiert, was auch durch den Denkmalschutz nicht in Frage gestellt wird. Vielmehr wäre der Denkmalschutz ein wirksames Mittel, um die Rheinaue in ihrer jetzigen Größe und Gestalt dauerhaft zu erhalten. Denn wäre die Rheinaue erstmal verloren, dann wäre es anders als beim Sterntor durchaus ein Problem, um die Ecke schnell eine neue Version aufzubauen.

Bild: gemeinfrei
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