Von der „Sozialen Stadt“ noch weit entfernt

von Holger Schmidt, sozialpolitischer Sprecher der Linksfraktion

20171121_163111-e1511954697915

Rund acht Jahre (!) nach Start des Aufwertungsprogramms „Soziale Stadt Neu-Tannenbusch“ konnte im Sommer dieses Jahres das Familien-und Bildungszentrum „Haus Vielinbusch“ im AWO-Gebäude an der Oppelner Straße eröffnen. Noch jedes Jahr zuvor hatte die Stadtverwaltung auf Anfragen der Linksfraktion die bald unmittelbar bevorstehende Einweihung angekündigt – die dann nicht kam. Obwohl es immer als ein besonders wichtiger Baustein bezeichnet wurde, weil abgesehen von Quartiersmanagement und Stadtteilfonds sonst nicht viel „Soziales“ dabei war, ist das Förderprogramm „Soziale Stadt“ nun eigentlich abgelaufen. Während die geplanten Baumaßnahmen noch bis 2020 abgerechnet werden können, sie werden zu 70% über das Land NRW bezuschusst, drohte nun zum Jahreswechsel das Ende des Quartiersmanagements in der Chemnitzer Straße. Dies wird nun aller Voraussicht nach durch eine zukünftig rein städtische Finanzierung verhindert, allerdings mit etwas weniger Personal und Öffnungszeiten und zum Beispiel dem Wegfall der „Tannenbusch-Zeitung“. Diese Verringerung ist falsch. Ob es etwa genau diese Zeitung braucht, ist zwar eine andere Frage, aber die Tatsache, dass nach Umfrage nur gut ein Drittel der Neu-TannenbuscherInnen das Projekt „Soziale Stadt“ überhaupt kennen, zeigt, dass in puncto Information noch viel zu tun wäre.

Neueröffnung des „Haus Vielinbusch“ und Weiterführung des Quartiersmanagements, zwei positive Nachrichten, die jedoch das große Manko des bisherigen Projekts „Soziale Stadt“ nicht ausgleichen. Baulich ist einiges geschehen, aber die tatsächliche Lebenswirklichkeit wird davon nur in Maßen bestimmt. Die Stadt hat einen Bericht über die Wirkungen des Projekts erstellen lassen, unter anderem auch mit Befragungsergebnissen. Im Zeitraum von zehn Jahren ist der Anteil der SGB-II-BezieherInnen um über 10% auf annähernd 40% gestiegen, die Arbeitslosenrate von 19% auf 21%, beim SGB-XII-Bezug analog. Knapp die Hälfte aller BewohnerInnen äußert sich unzufrieden über Neu-Tannenbusch als Wohn- und Lebensort, rund ein Viertel gibt an, so schnell wie möglich wegziehen zu wollen. Natürlich konstatiert der Bericht auch die Fortschritte, aber eben auch, dass die ein oder andere Fassadensanierung von größeren Wohnhäusern nicht mit der Veränderung der innenliegenden Wohnungen einherging. Ein Sinnbild? Wenn die Bauprojekte nicht mit einem wesentlich größeren auch finanziellen Engagement durch die Stadt im Bereich Bildung, Kultur, Familienhilfen und Arbeit ergänzt werden – und das kann das neue „Haus Vielinbusch“ nicht alleine leisten – werden auch die positiven Veränderungen nicht von langer Dauer sein. Die Stadtverwaltung beziehungsweise die wenigen, aber engagierten MitarbeiterInnen hoffen auf ein neues Förderprogramm. Selbst wenn es kommt, dabei allein darf es nicht bleiben.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Soziales veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s