Bundeslurch vs. Amtsschimmel

Das Bonner Bundesamt für magische Wesen (BAfmW) dürfte allgemein ein Begriff sein? Es handelt sich trotz des täuschend echten Wappens („Bundeslurch“) überraschenderweise um keine echte Bundesbehörde, sondern ist ein ursprünglich mal aus einer Imkerei im braven Graurheindorf hervorgegangenes Fantasyprojekt, das inzwischen auch verlegerisch tätig ist und immer wieder mit aufsehenerregenden Aktionen über die Stadtgrenzen hinaus von sich reden macht – so zum Beispiel im vergangenen Jahr mit einem riesigen Manga-inspirierten Fassadenbild zum Gedenken an die Opfer des Anschlags auf den Schwulenclub in Orlando, auf dem u.a. Beatrix von Storch und Abu Bakr al-Baghdadi in der Hölle schmoren – ganz zauberhaft.

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„Eine Werbeanzeige versprach ich nie“ – Stadt Bonn (Bild: © BAfmW)

Nun gibt es aber auch Orte, an dem einem alle Magie und Zauberei nicht weiterhelfen. Düstere Orte meistens, wie die Gräber von Atuan, die Minen von Moria oder auch der Dunkle Turm der Bonner Stadtverwaltung („Stadthaus“) von Stammeshäuptling Azog dem Weisen. Dessen absolut unmagisches Amt für Stadtgrün bringt jedes Jahr aus Anlass der „Offenen Gartenpforte“, dem Aktionstag, an dem private Gartenanlagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, eine Broschüre mit einem Verzeichnis aller teilnehmenden Gärten heraus, darunter übrigens häufig auch der des BAfmW. In diesem Jahr wollte das Bundesamt den Tag mit der Vorstellung ihrer neuen und thematisch durchaus passenden Kurzgeschichtenanthologie „Einen Rosengarten versprach ich nie“ verbinden und hierzu eine Anzeige in der städtischen Broschüre platzieren. Doch das Grünflächenamt sagte nein, die Werbeanzeige sei nicht passend. Das muss überraschen, findet sich in dem Heft doch in jedem Jahr unter anderem viel touristische Werbung, die in keinem direkten Zusammenhang zur Gartenpforte steht – und in der Ausgabe von 2015 sogar eine Werbeanzeige für Lautsprechersysteme. Und das soll passender sein?

Der Verdacht liegt deshalb nahe, dass es eher die homoerotische Ästhetik der Anzeige war, die in der Verwaltung für Schweißausbrüche gesorgt hat. Was jedoch alles andere als eine akzeptable Rechtfertigung für die Ablehnung sein kann. Wir haben deshalb eine Kleine Anfrage eingereicht, um die Angelegenheit zu klären – und warten seither gespannt auf die Rückkehr unserer Fraktionseule mit der Antwort der Verwaltung.

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2 Kommentare zu “Bundeslurch vs. Amtsschimmel

  1. Tja, wir wundern uns wirklich. Bei dem Buch handelt es sich um eine Sammlung von Romantasy-Kurzgeschichten, sowohl solche für die heterosexuelle wie auch für die schwule Leserschaft. Geschjichten unserer Autoren im Stil von Harry Potter, Twilight, Chroniken der Unterwelt etc.

    Es ist auch nicht das erste Mal, dass wir an der Offenen Gartnepforte teilnehmen; früher als Imkerei und zuletzt eben als Bundesamt für magische Wesen, das sich und seine Arbeit im BAfmW-Rosengarten mit einer Sammlung englischer Duftrosen im Innenhof des „Amtes“, der zu einem Rosenhof umgestaltet wurde, präsentiert.

    Es ist ja auch nicht so, dass hier die imkerliche Tätigkeit völlig zum Erliegen gekommen ist; noch immer berate ich Hilfe suchende Haus- und Gartenbesitzer, wenn sie Probleme mit Bienen, Wespen und Hornissen im Garten habe, gebe Tipps beim Pflanzen von für blütenbesuchende Insekten wichtige Nahrungspflanzen u.v.m.

    Ganz zu schweigen von unserem netten kleinen Projekt zur Wiederansiedlung des Schwalbenschwanz-Schmetterlings, der hier im Garten vermehrt wird. Das ist noch aus einem früheren Projekt auf dem Dachgarten der Bundeskunsthalle übrig geblieben, wo einige Jahre lang unsere Bienen standen.
    Was wir da alles zeigen, kann man in meinem Fotoblog bundesbienen.info sehen.

    All das ist im „Dunklen Turm“ bekannt Und wenn das Amt für Stadtgrün dieses komplexe Angebot ignoriert, wegen eines floral gestalteten Buchcovers, das einen leicht homoerotischen Touch hat, dann liegt der Schluß nahe, dass die Ablehnung aus Homophobie heraus passierte.

    Auch unser nettes kleines „Amt“ ist mittlerweile ein touristischer Anziehungspunkt; während der Klimakonferenz standen diverse Mannschaftswagen der Polizei bei uns und machten Selfies oder ließen sich durch das Amt führen. Mitte Mai macht eine Bundesbehörde ihren Betriebsausflug zu uns und auswärtige Touristen mit Bezug zur Fantasykultur wollen das deutsche Gegenstück zum britischen Zaubereiministerium ebenfalls gern besuchen.

    Auf der anderen Seite fallen solche Reaktionen der Stadt Bonn natürlich auch auf die Stadt zurück – schade eigentlich.

  2. Pingback: Bonner Rosenkriege – LINKS-rheinisch.de

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