Eine Halle namens Beethoven (Ratsbericht vom 18.03.)

Bonn, Beethovenhalle

Aus glücklicheren Zeiten: die Beethovenhalle im Jahr ihrer Eröffnung. (Bild: CC BY-SA 3.0 DE, von Bundesarchiv, B 145 Bild-F006882-0001 / Unterberg, Rolf)

Schon die zweite Sondersitzung des Stadtrates zur Beethovenhalle (über die erste haben wie hier berichtet), und jedes mal scheint es etwas schlimmer zu werden: Die 100-Millionen-Schallmauer bei den Kosten ist mühelos übersprungen und ein Ende ist nicht in Sicht, weil die aktuellen Verzögerungen auf der Baustelle weitere kostspielige Neuausschreibungen nach sich ziehen können. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und den beauftragten Architekten läuft währenddessen ungefähr so gut wie die zwischen Noel und Liam Gallagher in der Endphase von Oasis und steuert zielsicher auf eine juristische Auseinandersetzung zu, und der Oberbürgermeister will mit dem ganzen Schlamassel erkennbar am liebsten rein gar nichts zu tun haben. Gestern antwortete er jedenfalls nur widerwillig auf wiederholte und direkte Nachfragen, es gab ansonsten keinen eigenen längeren Redebeitrag von Sridharan zur Lage. Das war die Aufgabe des glücklosen Stadtdirektors Wolfgang Fuchs, den der OB in den kommenden Wochen das Bauprojekt auch noch vom Krankenbett aus leiten lassen möchte. Womöglich, um nicht selbst in die Pflicht zu kommen, ähnlich gefährliche Prognosen abgeben zu müssen wie Fuchs noch Ende 2017? Der ging damals von einer Fertigstellung im Frühjahr 2019 aus und meinte zu den Kosten:  „Wir liegen bei einer Gesamtprognose von knapp 75 Millionen Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass da noch 25 Millionen draufkommen, ist extrem gering.“ Nun ja …

Bei der Frage, wer die Verantwortung für die Misere trägt, tat sich besonders die SPD hervor, indem sie ursächlich auf genau den Beschluss abstellte, indem sie sich für eine weniger aufwendige Form der Sanierung ausgesprochen hatte und die Schuld deshalb bei den anderen Parteien (d.h. in diesem Fall CDU, Grünen, FDP und uns) sah. Dass es aber auch hier zu den bekannten Problemen mit Baugrund und fehlenden oder falschen Planungsgrundlagen gekommen wäre, lässt die Argumentation der Sozialdemokraten – ähnlich wie offenbar das Dach der Halle – jedenfalls nur als bedingt tragfähig erscheinen. Dennoch müssen wir uns genau wie alle anderen am Projekt beteiligten Parteien fragen, was wir selbst zur jetzigen Situation beigetragen haben – zum Beispiel im Hinblick auf den von allen Seiten aufgebauten Termindruck für das Beethovenfest 2020, was sicherlich ein Faktor für die Preissteigerung war und zugleich dazu verleitet hat, Prüfungen nicht rechtzeitig vorzunehmen (gemeint sind hier insbesondere Prüfungen des Rechnungsprüfungsamtes, denn eine Baugrunduntersuchung lag beim Baubeschluss im April 2016 durchaus vor). Diesen Schuh ziehen wir uns selbstkritisch an. Zur vollen Wahrheit gehört aber auch, dass der Zeitdruck vornehmlich aus dem vorangegangenen jahrelangen Geplänkel um das Phantomprojekt Festspielhaus resultierte, das wir stets zu den Akten legen wollten (vgl. z.B. hier und hier), genau um den jetzt eingetretenen Zeitdruck gar nicht erst entstehen zu lassen.

Wir hatten es im Vorfeld der Sitzung mit konstruktiver Kritik probiert und zum zweiten Mal beantragt, dass der Rat auch die Architekten befragen soll, denen die Stadt bislang jede öffentliche Äußerung verboten hat. Dies hatte zumindest dahingehend Erfolg, dass jetzt zunächst eine schriftliche Stellungnahme des Büros zu Ursachen und Verantwortung für das Bau-Chaos eingeholt wird. Denn das Schwarze-Peter-Spiel der Verwaltung, die dem Architekturbüro die alleinige Schuld zuschieben will, kann so nicht weitergehen. Und auch auf die Zeitverzögerung durch die unnötige Debatte um ein neues Festspielhaus ging unser kulturpolitischer Sprecher Jürgen Repschläger in seiner Rede im Stadtrat ein:

Der öffentliche Teil endete dann nach etwa drei Stunden, der nicht-öffentliche war wesentlich kürzer. Viel Zeit zur Erholung bleibt den Stadtverordneten nicht: Die nächste, dann reguläre Ratssitzung ist schon in knapp einer Woche am 28. März.

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