Meldungen aus einem vergangenen Jahrzehnt

Ratsbericht vom 12.12.2019

Bild GebührenEin neues Jahr, ein neuer Ratsbericht – aber noch von der letzten Sitzung des Stadtrats im Dezember, an die wir uns mit einem Monat und einem Jahreswechsel Abstand ehrlicherweise kaum noch erinnern können. (Guter Vorsatz: zeitnähere Veröffentlichungen in 2020!) Wir versuchen uns aus archivarischen Gründen trotzdem an einer kurzen Rekonstruktion:

  • Wichtigster Punkt aus unserer Sicht war die alljährliche Gebührenfestlegung zum Beispiel für Abfall, Abwasser, Straßenreinigung und so weiter für das folgende Jahr. Wir kritisieren hier schon seit längerem die Kalkulation der Stadt, die die gesetzlichen Spielräume viel zu aggressiv ausreizt und dadurch regelmäßig zu hohe Überschüsse bei ihrer Gebührenerhebung anhäuft. Auf unseren Druck war es im letzten Jahr auch zu deutlichen Senkungen gekommen. In diesem Jahr aber erhöht die Stadt die Gebühren wieder um insgesamt 7,2 Mio. Euro. Wenn man sich die einzelnen Positionen genauer anschaut, erkennt man jedoch wiederum, dass das in dieser Größenordnung gar nicht nötig wäre: So genehmigt sich die Stadt rechnerisch auf ihr eingesetztes Kapital (in diesem Fall vor allem die Abwasserleitungen) zum Beispiel einen völlig marktfernen Zinssatz von 5,56 %. Nur mit einer realistischeren Einschätzung könnte man die Gebührenerhöhung also schon zu einem Großteil abfedern, und genau dies hatten wir in diversen Einzelanträgen auch beantragt. Die Ratsmehrheit wollte trotz Lippenbekenntnissen zu mehr städtischer Zurückhaltung diesen Weg im Rat aber nicht mitgehen – die „zweite Miete“, die sich aus den Nebenkosten für Mieterinnen und Mieter ergibt, steigt 2020 also weiter. Gerade auf einem so angespannten und unsozialen Wohnungsmarkt wie Bonn ist das unverantwortlich.
  • Mit einer eigenen Anfrage (auf Anregung von Seebrücke Bonn und gemeinsam mit der SPD eingebracht) wollten wir etwas Bewegung in das städtische Engagement für die Seenotrettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer bringen. Die Stadt war nach knapper Abstimmung im Sommer dem Bündnis „Städte Sicherer Häfen“ beigetreten, in dem sich diejenigen Städte sammeln, die über das gesetzlich zugewiesene Kontingent hinaus aus Seenot gerettete Flüchtlinge aufnehmen wollen. Seit dem Beschluss war aber offenbar städtischerseits nicht viel mehr passiert – laut Stellungnahme der Verwaltung ändert sich das inzwischen aber offenbar.
  • Die städtische Klimapolitik war wie so häufig in letzter Zeit Thema im Rat, erschöpfte sich aber ebenfalls zum wiederholten Mal in der Diskussion von weiteren Leitbildern. Dass man damit allein die Klimawende bestimmt nicht schafft, sollte Bonn nach den entsprechenden Erfahrungen unter Schwarz-Grün allerdings klar sein – siehe unseren Artikel hier und den Ratsbericht von Juli. Damals hatten wir den Änderungsantrag gestellt, mit 10 Mio. Euro jährlich konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz zu finanzieren, was an der Ratsmehrheit gescheitert war. Derweil wartet man weiter gespannt auf die für „nach der Sommerpause“ angekündigten Maßnahmen, die der Oberbürgermeister selbst vorschlagen wollte. Die einzige konkrete und zeitnah umzusetzende Maßnahme war dieses Mal im Stadtrat der Vorschlag zur Einführung einer Umweltspur für Busse und Fahrräder auf dem Hermann-Wandersleb-Ring, was dann bezeichnenderweise in einer knappen Abstimmung am Widerstand von CDU, FDP und Bürgerbund scheiterte. So wird das natürlich nichts.
  • In der Sportentwicklungsplanung hatte zwei Jahre lang ein externer Gutachter die Bonner Sportstätten untersucht und Empfehlungen für die weitere Ausrichtung der Bonner Sportlandschaft gegeben. Die Ergebnisse sind wenig überraschend: Knapp die Hälfte der Bonner Hallen sind in einem miserablen Zustand und müssten dringend saniert oder komplett neu errichtet werden. Verwaltung und OB haben offenbar dennoch die Ruhe weg und wollen das Ganze auf die lange Bank schieben. Wir wollten deshalb mit einem Änderungsantrag die zeitnahe Umsetzung beschließen lassen – im Gutachten findet sich dazu schon eine konkrete Liste mit den dringlichsten Sanierungsfällen, die es nun abzuarbeiten gilt. Dies scheiterte aber wie schon im Sportausschuss an der Ratsmehrheit. Gutachten bestellen ist in Bonn offenbar unter Schwarz-Grün-Gelb kein Problem, Gutachten dann auch umsetzen allerdings schon.
  • Wohnraum für die Innenstadt: Die Sparkasse will ihr Verwaltungsgebäude am Hansaeck (Nähe Hbf, Haltestelle Thomas-Mann-Straße) verkaufen. Dabei sollte die Stadt nicht tatenlos zusehen, sondern selbst mittels Bebauungsplanbeschluss und Vorkaufssatzung dafür sorgen, dass hier künftig Wohnraum entsteht und auch selbst Interesse an einem Ankauf bekunden. Unsere Initiative hierzu wurde allerdings zunächst in den Planungsausschuss verwiesen.
  • Wir denken jetzt schon an die nächsten Feiertage, denn am 24. Februar ist es wieder soweit: Zur Musik von Bläck Fööss, Kasalla & Co. fliegen auf dem Rosenmontagszug die Kamelle durch die Gegend und die Jecken schunkeln sich wieder durch die Innenstadt. Was für Menschen aber ein Riesenfest ist, ist für Pferde aber alles andere als ein Vergnügen: Wir fordern deshalb den Verzicht auf Beteiligung von Pferden am Rosenmontagszug. Denn die Stadtverwaltung hatte jüngst auf eine Kleine Anfrage von uns selbst einräumen müssen, dass sie zu einer effektiven Kontrolle von Pferden und Reitern vor Ort gar nicht in der Lage war. Unser Dringlichkeitsantrag hierzu wurde allerdings nicht in die Tagesordnung aufgenommen und damit automatisch in die nächste Ratssitzung Anfang Februar verwiesen – allerdings immerhin mit der mündlichen Zusage, dass bis dahin keine definitiven Entscheidungen fallen werden.

An weiteren Diskussionen mangelte es in der mehrstündigen Sitzung wie immer nicht, aber an den wichtigsten Punkten war es das. (Glauben wir zumindest, siehe oben.) Erste Sitzung des Stadtrats im Kommunalwahljahr 2020 dann wieder am 6. Februar.