Ein Traum von „Rheinhattan“

Dass sich die Stadt Gedanken über die zukünftige Gestaltung des Bundesviertels macht, ist richtig. Doch die aktuellen Planungen reichen in Sachen ÖPNV und Wohnraum nicht aus.

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Foto: Stefan Oberreuter CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

Von der Zweiten Fährgasse bis zur Kennedyallee, von der Bahn bis zum Rhein: Das „Bundesviertel“ ist ein vielgestaltiger Raum. Das kaum auf einen Nenner zu bringende Gebiet beherbergt in erster Linie Bürogebäude, aber auch mehrere große Museen, Hotels und nicht zuletzt die namensgebenden ehemaligen Regierungseinrichtungen um das heutige WCCB und den UN-Campus. Mitte des letzten Jahrhunderts gab es zwischen Godesberg und Bonn noch kein Viertel. Seit Gründung der Bundesrepublik hat es mehrere Entwicklungsschübe durchlaufen. Mit dem Umzug der Regierung nach Berlin wurde es endgültig zum wichtigsten Bonner Bürostandort – zum „Manhattan am Rhein“, wie das Tulpenfeld einst auch genannt wurde. Nun diskutieren die Gremien eine neue „Rahmenplanung“, die das Viertel künftig prägen soll. Vor allem sollen die Nutzungsformen – Büro, Kultur, Wohnen – stärker durchmischt und das Viertel weiter verdichtet werden. Parks, Plätze und Grünzonen sollen es beleben. Der Oberbürgermeister ist bereits auf Werbetour, um „Investorinnen“ für das zu erwartende reichliche Betongold zu finden.

Die Idee, die Nutzungsformen stärker zu durchmischen, mehr Wohnraum zu schaffen und das Viertel allgemein zu beleben, ist richtig. Doch aktuell arbeiten im Bundesviertel rund 40.000 Menschen, während nur etwa 4.500 dort leben. Dieses Verhältnis soll sich nach den Planungen nicht grundlegend ändern: Bei einem deutlichen Zuwachs an Arbeitsplätzen soll die Zahl der Einwohnerinnen nur verhältnismäßig wenig steigen. Wer morgens versucht, ins Viertel zu kommen – sei es per Bus oder Bahn, U-Bahn oder PKW –, kennt das Problem: Die Verkehrsinfrastruktur ist schon jetzt heillos überlastet. Mehr als einige halbgare Ideen, mit denen mensch dazu gebracht werden soll, vom PKW auf Öffentliche umzusteigen, sind in der Rahmenplanung jedoch nicht zu finden. Auch die Schulentwicklungsplanung trägt dem geplanten Bevölkerungszuwachs nicht Rechnung. Schließlich gibt es außer einigen wohlfeilen Wohlfühlbildern kein Konzept, wie im buchstäblichen Schatten der Hochhäuser, auf sterilen Plätzen mit den üblichen Fast-Food- und Backshop-Ketten Leben einziehen soll.

Kurz und gut: Wir halten die Idee der Rahmenplanung zwar nicht grundsätzlich für falsch. Die Ausführung zielt jedoch wie üblich viel zu sehr auf renditeträchtige Immobilienentwicklung als auf die dringend notwendige Versorgung mit gutem und erschwinglichem Wohnraum. Zu schlechter Letzt ist die Verkehrsplanung völlig unzureichend. Wir lehnen die aktuelle Planung daher ab.

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