Mein Vetter Cleverle

Eine Antwort auf den Bonner Bürgerbund

Bild von Gowtham raj via Pixabay

Ihr kennt das sicher aus eurer eigenen Verwandtschaft: Wenn sich die Familie mal wieder bei einer Vogelhochzeit oder sonstigen größeren Anlässen trifft, gibt es immer irgendeinen verrückten Onkel, der in der Runde für peinliche Situationen sorgt. Weil er zum Beispiel unbedingt darüber sprechen will, wie uns die Zugvögel aus Afrika das Futter wegfressen. Was er alles über Chemtrails rausgefunden hat, als er neulich einem Airbus hinterhergeflogen ist. Oder warum uns Bill Gates jetzt alle chippen lassen möchte. Bei uns ist dieser schräge Vogel Cleverle, mein Vetter zweiten Grades.

Meine Schwester sagt, er ist nicht mehr derselbe, seit er damals gegen ein (abgeschaltetes) Windrad geflogen ist. Aber ich vermute, es liegt daran, dass er sich sein Nest bei der Stadtratsfraktion des Bonner Bürgerbunds eingerichtet hat. Da schnappt er einfach zu viel wirres Zeug auf. Neulich fantasierte er sogar in deren Zeitung von einer Männerdiskriminierung in der Bonner Kommunalpolitik, weil neben der Oberbürgermeisterin drei weitere Frauen als Bürgermeisterinnen (mit rein repräsentativen Aufgaben) gewählt wurden. Männerdiskriminierung! In einem Stadtrat, in dem Frauen seit Jahrzehnten in der Minderheit sind – und zwar deutlich. Wie absurd … Als ich das meinen Nachbarinnen aus dem Hühnerstall nebenan erzählt habe, konnten die sich kaum wieder einkriegen.

Cleverle im Ratsreport des BBB

Ich kann meinem Vetter nur raten, sich möglichst bald eine andere Bleibe zu suchen. (Ich habe das Gefühl, dann legt sich auch sein irrationaler Hass auf die Bonner Stadttauben wieder.) Natürlich nicht ganz einfach, etwas Neues zu finden bei der angespannten Lage auf dem städtischen Immobilienmarkt – aber ich habe gehört, in der alten Stieleiche am Hofgarten wird bald wieder was frei.

Eure Krähe Käthe