Von A wie Antragsrecht bis Z wie Zuständigkeitsordnung

Ratsbericht vom 18.03.

Im Folgenden wie üblich die wichtigsten Punkte aus der Sitzung des Rates – pandemiebedingt wie schon bei den letzten Terminen wieder in Besetzung des wesentlich kleineren Hauptausschusses:

Antragsrecht in den Bezirksvertretungen. Ein eher technischer Punkt zum Beginn der Sitzung behandelte die Frage, ob in den Bezirksvertretungen auch ein Mitglied allein ein schriftliches Antrags- und Fragerecht besitzen sollte. Die bisherige Praxis aus vergangenen Ratsperioden, wonach das Recht dazu für Einzelverordnete in den Bezirksvertretungen nur dann vorlag, wenn die jeweilige Partei auf Ratsebene Fraktionsstatus innehatte, war vom Rechtsamt für unzulässig erklärt worden. Die neue Regelung sieht deshalb vor, dass mindestens zwei Bezirksverordnete gemeinsam für ein Antrags- oder Fragerecht erforderlich sind.

Zuständigkeitsordnung. Ein weiterer Punkt für alle, die es ganz genau wissen wollen: Welcher Ausschuss welche Entscheidungskompetenz hat, legt der Rat in der Zuständigkeitsordnung fest. Mit einem gemeinsamen Antrag hat die Koalition den Verwaltungsvorschlag dazu abgeändert.

Schülertickets. Ein Punkt aus dem Koalitionsvertrag zwischen Grünen, SPD, Volt und uns stand ebenfalls wieder auf der Tagesordnung, nämlich die Frage der Schülertickets. Hier ist die Preisgestaltung stadtweit alles andere als einheitlich geregelt – von ca. 15 bis über 30 Euro ist quasi alles drin, und gerade in Stadtteilen mit einkommensschwächeren Familien sind die Preise oft höher. Wir wollen deshalb einen einheitlichen Preis von 19 Euro pro Ticket einführen und haben als Koalition die Verwaltung beauftragt, dafür gemeinsam mit den Stadtwerken die Grundlagen zu schaffen.

Modellstadt Tempo 30. Koalitionsvertrag, Punkt 2: Gemeinsam mit unseren Koalitionspartnern wollen wir Bonn sicherer und ökologischer machen. Deshalb haben wir die Verwaltung beauftragt, sich beim Bundesverkehrsministerium als Modellkommune für eine stadtweite Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h zu bewerben.

Schulbetrieb sicherer machen. Der gleichlautende Antrag der CDU drehte sich insbesondere um die Installation von Luftfiltern in Klassenräumen, wie es auch von einer Petition von Bonner Eltern gefordert wird. Das Anliegen, das Infektionsgeschehen in Schulen möglichst gering zu halten, hat dabei zweifellos seine Berechtigung. In welchem Maß mobile Luftfilteranlagen zum Gesundheitsschutz beitragen können, ist in diesem Zusammenhang eine wichtige Frage. Da wir in unserer Fraktion keine eigenen Fachleute zu diesem Thema haben, auf deren Expertise wir zurückgreifen könnten, sind wir da in gewisser Weise immer auf externen Sachverstand angewiesen, zum Beispiel die Stellungnahmen von Umweltbundesamt und auch dem Robert-Koch-Institut, die den Einsatz solcher Filteranlagen unter praktischen Bedingungen eher zurückhaltend beurteilen und nur als flankierende Maßnahme zum im Vergleich dazu wirksameren Lüften empfehlen. Angesichts eines entsprechend großen Zeit- und Ressourcenaufwands, der für eine flächendeckende städtische Beschaffung von Filteranlagen nötig wäre, stellt sich für uns auch die Frage, ob dieser nicht in anderen Maßnahmen, insbesondere regelmäßigen und umfassenden Selbst- und Schnelltests in Kitas und Schulen, besser investiert wäre. Dafür haben wir uns als Linksfraktion bereits im Sommer des letzten Jahres stark gemacht. Dennoch bleibt es wichtig, alle Möglichkeiten, auf die die Stadt ggf. zurückgreifen können, im Blick zu behalten. Wir haben deshalb die Verwaltung bei diesem Tagesordnungspunkt mit einem Änderungsantrag verpflichtet, nochmals alle Optionen zu prüfen, mit denen der Schul- und Kitabetrieb sicherer gestaltet werden kann, was auch den Einsatz mobiler Luftfilteranlagen umfasst.

Kommunaler Einsatz gegen Covid. Wesentlich weniger Substanz hatte der nächste Corona-spezifische CDU-Antrag, der eine „Optimierung“ der Pandemiebekämpfung auf kommunaler Ebene einforderte. Relativ überraschend von einer Partei, die derzeit auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene Schlüsselpositionen besetzt und dort in der Pandemiebekämpfung der jüngeren Vergangenheit schon alles Mögliche verbockt hat, wohingegen der kommunale Spielraum beim Einsatz gegen Covid-19 vergleichsweise gering ist. Aber Fehler können natürlich immer passieren – vielleicht hat die CDU ihren etwas missglückten Antrag auch nachts um halb drei eingereicht?

Der Stadtrat trifft sich zu seiner nächsten Sitzung am 06. Mai.