Integrationsassistenz: Neuregelung mit Risiken

von Anatol Koch, schulpolitischer Sprecher der Linksfraktion

Schule symbolbildUm einen inklusiven und gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen zu ermöglichen, ist nicht nur dringend pädagogische Unterstützung durch zusätzliche SonderpädagogInnen in der Klasse gefragt. Auch die sogenannte Schulbegleitung der Kinder durch IntegrationsassistentInnen ist je nach Art des Förderbedarfs nötig, um bei der Bewältigung der alltäglichen Herausforderungen im Schulalltag zu helfen oder pflegerische Tätigkeiten zu leisten. Während an den meisten Förderschulen entsprechende Assistenzkräfte fester Bestandteil sind, ist ihre Zahl an Regelschulen erst in den letzten Jahren durch zunehmende Inanspruchnahme des gemeinsamen Unterrichts deutlich gestiegen. Auch neun Jahre nach Inkrafttreten der Behindertenrechtskonvention sind viele Schulen in Deutschland personell und materiell nur unzureichend ausgestattet. Hier leistet die Schulbegleitung eine wertvolle Unterstützung.

Weil die Schulbegleitung von Eltern immer stärker nachgefragt wird, verfolgen Verwaltung und einige Träger im Rahmen einer Neuausrichtung der Integrationsassistenz den Ansatz, die individuell beantragte Schulbegleitung in einem „Pool“ von SchulbegleiterInnen zu bündeln. Das hat zwar den Vorteil, dass innerhalb eines Pools leichter eine Krankheitsvertretung möglich ist und die Beantragung einfacher wird, im Gegenzug ergeben sich aber auch Nachteile und Risiken, da Eltern und SchülerInnen bei der Wahl der Schulbegleitung an den begrenzten Pool eines Trägers gebunden sind. So wird die Auswahl der Begleitperson nach individueller Sympathie schwieriger, außerdem bieten nur wenige Träger fachliche SchulbegleiterInnen mit bestimmten Qualifikationen an. Bei manchen Beeinträchtigungen wie z.B. Autismus ist eine fachliche Schulbegleitung jedoch unumgänglich.

Zum Schuljahr 2018/19 wird im Rahmen eines Auswahlverfahrens in insgesamt 19 Bezirken jeweils ein Träger als zuständiger Ansprechpartner für mehrere Schulen festgelegt. Eltern sind dann an das Angebot dieses Trägers gebunden. Hierdurch wird die Flexibilität bei der Auswahl geringer und es besteht die Gefahr, dass die Beziehung zwischen SchulbegleiterIn und Schulkind unpersönlicher wird. Trotz der gewonnenen Verlässlichkeit hat die Linksfraktion aufgrund dieser Bedenken der Neuausrichtung der Integrationsassistenz im Rat nicht zugestimmt.

Bild: CC BY-SA 2.0 Irina Neszeri / DIE LINKE NRW

Advertisements

Verlagerung der Realschule Beuel ist eine Fehlentscheidung

von Anatol Koch, schulpolitischer Sprecher der Linksfraktion

Bonn, Gymnasium

Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F079119-0037 / CC-BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Die Linksfraktion Bonn bedauert den Beschluss der schwarz-grün-gelben Ratsmehrheit, die Realschule Beuel gegen den Beschluss der Schulkonferenz zwangsweise an den Standort der Anne-Frank-Hauptschule zu verlagern. Der Beschluss verschärft nicht nur das spannungsgeladene Verhältnis zwischen Schulträger und Schule, sondern ist auch hinsichtlich der Entwicklung der Beueler und gesamtstädtischen Schullandschaft ein schulpolitischer Fehltritt.

Was mich an der ganzen Debatte von Anfang an gestört hat, ist die finanzpolitische Argumentation. Dabei ist doch schon angesichts der wachsenden Schülerzahlen der Ansatz ein Irrglaube, Investitionsmittel einzusparen, indem ein stark sanierungsbedürftiges Schulgebäude ersatzlos aufgegeben wird und die räumlichen Kapazitäten am zentralen Beueler Standort so zu reduzieren. Das rechnet sich allenfalls bei extrem kurzfristiger Betrachtung.

Selbst wenn die Verlagerung kurzfristig eine Kostenersparnis von unterm Strich ca. 3 bis 3,5 Mio. Euro bringt, wird sich die Verringerung der räumlichen Kapazitäten am Standort der Realschule Beuel bereits mittelfristig als Fehlplanung herausstellen. Denn die Anzahl der Räume, die mit dem geplanten Abriss des maroden Hauptgebäudes der Realschule wegfallen, werden nicht ansatzweise durch die Erweiterung an der ehemaligen Anne-Frank-Hauptschule um lediglich vier Klassenräume kompensiert.

Gerade erst wurde bei der Vorlage des Schulentwicklungsplanes für Grundschulen festgestellt, dass die Zahl der SchülerInnen jedes Jahr um 70 Kinder anwächst. Das bedeutet, dass die Stadt jedes Jahr 2-3 zusätzliche Klassen an Grundschulen einrichten muss – und das übrigens neben dem ebenfalls wachsenden Raumbedarf für steigende OGS-Plätze. Mit diesem steigenden Platzbedarf sind die weiterführenden Schulen mit spätestens vier Jahren Versatz ebenfalls konfrontiert, hierfür braucht man keine Raketenwissenschaft. So gesehen ist es eine Milchmädchenrechnung, jetzt am Standort der Beueler Realschule das Hauptgebäude und damit dringend benötigte Klassenräume ersatzlos wegfallen zu lassen. Hinzu kommt, dass ein Neubau als Ersatz des maroden Gebäudeteils B an der Realschule aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ für die Stadt sogar kostenneutral darstellbar wäre, wie das Städtische Gebäudemanagement auf unsere Nachfrage im Schulausschuss bestätigt hat.

Daher geht auch der Plan der SPD-Fraktion nicht auf, die sich im Rat für einen Verbleib der Realschule bei gleichzeitigem Wegfall des Hauptgebäudes ausgesprochen hat. Das dürfte mittelfristig zu eng werden, wenn das überhaupt mit aktuell schon 655 SchülerInnen gelingen sollte. Die SPD hat auch ansonsten eine seltsame Rolle in der Debatte eingenommen. In der Bezirksvertretung Beuel hielt sie zusammen mit den dortigen Koalitionären von CDU und FDP einen Umzug noch „unter finanziellen Gesichtspunkten“ für „grundsätzlich vorstellbar“. Im Rat vollzogen die Beueler Sozialdemokraten dann aber eine spektakuläre Kehrtwende und gaben plötzlich vor, in der Bezirksvertretung Beuel während der zweimaligen Beratung mit separatem Ortstermin unter dem Einfluss falscher Informationen gestanden zu haben. Die Grüne Ratsfraktion hingegen tauschte bereitwillig die Rolle mit der SPD und stimmte in der schwarz-grün-gelben Ratskoalition entgegen der Positionierung in der Bezirksvertretung Beuel für die Verlagerung. Wäre es für beide Fraktionen nicht weniger peinlich gewesen, einfach einen Stimmentausch zu vereinbaren?

Aus Sicht der Linksfraktion ist es bedauerlich, dass selbst das Landesprogramm „Gute Schule 2020“ nicht genutzt wird, um die Kapazitäten an einem ansonsten sehr guten Schulstandort zu erhalten. Dabei wären für die Zukunft diverse Entwicklungen in der Beueler Zentrumslage denkbar. Von einer verstärkten Andockung und Einbeziehung der Rheinschule bis hin zu der Gründung einer inklusiven Gesamtschule wären für die Zukunft verschiedene Entwicklungen denkbar – vorausgesetzt, es werden nicht alle Schulgebäude auf dem Areal aus Kostengründen abgerissen.